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Landsleutebrief vom 2. April 2020

02.04.2020 - Artikel

Liebe Landsleute,

Wissen Sie eigentlich, wie gerne ich das schreibe: Liebe Landsleute? Weil ich erlebe, dass wir uns alle auch so untereinander verstehen, die einen, die den anderen Platz machen, diejenigen, die rücksichtsvoll mit dem Nervenkostüm der Anderen umgehen, wenn sie wartend in der Schlange stehen, das Lächeln, das sie untereinander teilen oder auch mit uns, – und das man übrigens auch durch das Telefon hören kann. Wenn man bedenkt, dass Sie uns noch gar nicht kannten, wir für Sie erst einmal nur institutionell zuständig waren, als vor Wochen die Pandemie ausbrach, haben wir schon ein großes Stück Weg gemeinsam begangen. In Bulgarien sagt man: „Wir haben schon manchen Sack Salz miteinander gegessen“, wenn man auf die Intensität einer Beziehung anspielen will. Ein schönes Sprichwort, das ich hiermit einfach mal in den deutschen Sprachraum einführe. Salz ist etwas Kostbares. Das schaufelt man nicht gedankenlos in sich hinein. Mein ganzes Team spürt das, das wir hier gemeinsam an einer Baustelle arbeiten: gesund wieder nach Hause zu kommen und ein Stückchen am Teppich der Mitmenschlichkeit zu stricken. Danke Ihnen, für Ihre Geduld, Ihr Vertrauen, Ihre Offenheit, Ihre kluge Kritik, Ihre aufmunternden Worte und Ihre Grüße auch nach Rückkehr. Das gibt uns Kraft und macht einfach Spaß mit Ihnen.

Tja, und jetzt ein Endspurt, oder ein vorläufiger Endspurt. Hurra, Bundesminister Maas schickt uns noch einen Flieger! Am Montag, den 6.4., wie angekündigt, kommt noch einmal LH als Auftragnehmer zum Einsatz und wird um 20 Uhr hoffentlich gefüllt und gut gelaunt von hier abheben. Weil es dazu fragen gab: nein, das sind keine regulären oder kommerziellen LH-Flüge (oder Condor oder Edelweiss), deshalb gelten leider auch ihre Tickets nicht, und daher gibt es auch keine Business-Buchungen. Ich hoffe, Sie haben sich alle in die Rückkehrerliste eingetragen, damit Sie auf die Passagierlisten kommen. LAST CALL! Danach kann ich Sie nicht mehr heimbringen, dann müssen Sie auf die Wiederaufnahme kommerzieller Flüge warten, und das kann dauern. Sie, die mitfliegen wollen und von uns angerufen wurden, müssen bitte um 16 Uhr am Internationalen Flughafen Juan Santamaría sein, wie bisher auch.

Der moderne Flughafen ist übrigens nach einem Unabhängigkeitskämpfer benannt. Früher lag der Flughafen gleich in Gehentfernung von der Botschaft, mitten in der Stadt, am heutigen Sabana Park. Im alten Tower ist heute malerisch das Museum für costa-ricanische Kunst untergebracht, das Sie schon einmal für den nächsten Besuch vorsehen können. Nicht nur die Natur, auch die Museen Costa Ricas sind nämlich großartig: Gold, Jade, und das sagenhafte Nationalmuseum. Alle Museen werden übrigens von vorzüglichen Direktorinnen geleitet. Und wenn ich mir etwas wünschen darf, dass diese drei letztgenannten Museen einmal eine gemeinsame Ausstellung costa-ricanischer Schätze in Berlin machen. Wäre das nicht schön? Dann könnten auch diejenigen, deren Reiseetat jetzt für längere Zeit erst einmal aufgezehrt ist, oder die ohnehin nie von einer Fernreise träumen können, einen Eindruck von der wunderschönen, alten Kultur Costa Ricas mitbekommen. Und wir könnten in den unsrigen Museen stöbern, ob wir vielleicht auch welche darbieten können. Daran werde ich arbeiten, versprochen. 

Während ich das schreibe, muss ich grinsen, denn ein kluger Herr sprach mich gestern an und meinte, ich werbe so für Costa Rica, ob ich auch deren Botschafterin sei. Keine Sorge, bei Ihnen brauche ich ja nicht für Deutschland und seine schönen Stätten, Städte und Bundesländer zu werben, das wissen Sie ja bereits alles! Aber ich kann es auch positiv ausdrücken: Ja, natürlich werbe ich und wirbt mein Botschaftsteam in der Tat mit gleicher oder gleich mit noch mehr Freude und Inbrunst gegenüber den Costa-Ricanern für Deutschland und Kooperation mit Deutschland. Mit Freude und mit Stolz, für so ein schönes Land, eine menschenrechtsachtende Demokratie, einen Rechtsstaat, einen humanistischen Bildungsstaat – für so prächtige Bürger, mit Verantwortungsgefühl, ethischen Prinzipien und moralischen Werten, – die sich übrigens gerade jetzt wieder bewähren. Allerdings muss ich auch in letzten Wochen manche traurige und misstrauische Frage erläutern, besonders nach fremdenfeindlichen Vorfällen und eigenartigen Wahlen, die Fragen aufwerfen und so gar nicht zu dem Deutschlandbild passen, das befreundete Länder wie Costa Rica aufgrund der Touristen und Kontakte von uns haben. In unserer Vergangenheit lauern Schatten, die wir nicht leugnen können, und die uns für die Gegenwart verpflichten aktiv für unsere Werte und für unsere Demokratie und Menschenrechte einzutreten. Hoffen wir, dass das eine Übergangzeit, vielleicht des Protests war.

Die Tatsache, wie sich viele Junge und Alte neu engagieren, freut mich daher riesig.

Am Ende noch etwas Wichtiges, das Sie auch schon in Ihren Emails gelesen haben:

Denken Sei daran, dass die Ausgangsbestimmungen deutlich eingeschränkt wurden, wie auch der Auto- und Busverkehr. Schauen Sie sicherheitshalber einmal in Ihre Spam-Filter, ob da Nachrichten von uns drin hängengeblieben sind. Bleiben Sie bitte nicht bis zur letzten Minute in ihren herrlichen Lodges und B&B, Hostels, Hotels oder Gastfamilien. Bewegen Sie sich früh genug Richtung San José, spätestens am Sonntag. Wenn der Fliecher wech is, isser wech, sagt man bei Köln.

Einen herzlichen Gruß, genießen Sie die letzten Tage! Die ersten Rückkehrer schreiben uns, sie vermissten schon die Papageienrufe und das Grillenzirpen. Carpe diem, nutze den Tag!

Ihre
Martina Nibbeling-Wrießnig

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