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Landsleutebrief vom 01. April 2020

01.04.2020 - Artikel

Liebe Landsleute,

eigentlich wollte ich Sie ja heute in den April schicken, mit einer harmlosen Sache. Doch ein sehr lustig aufgelegter Zeitgenosse stellte heute Morgen einen großen Unsinn ins Netz, in der Aufmachung einer Nachricht der deutschen Botschaft bzw. des Auswärtigen Amtes. Darin hieß es, alle Deutschen würden ab 3.4. aus Costa Rica „ausgewiesen“, habe der Präsident entschieden. Falls das einer von Ihnen gesehen haben sollte, ist Ihnen sicher aufgefallen, dass in der gleichen Meldung eine internationale Organisation zitiert wurde, die es überhaupt nicht gibt. Außerdem: der Präsident würde das mit Deutschen nie machen, sein Vater hat in Hamburg studiert (Vulkanologie) und er selbst hat einen Roman über die Schlechtbehandlung einer deutschen Familie im Zweiten Weltkrieg geschrieben. Vielleicht sehen Sie das im Buchhandel: „Las posesiones“ heißt das, auf Spanisch. Und wenn so etwas Unglaubliches passieren würde, wären wir doch gleich beim Außenministerium und beim Präsidenten, um so eine Maßnahme möglichst zu revidieren. Also: glauben Sie lieber unserer offiziellen Seite als den Scherzbolden. – Jedenfalls: die fake news Meldung ist enttarnt: Alles Käse, April, April!

Richtig ist allerdings – Costa Rica kennt die Tradition der Aprilscherze nicht – dass der Präsident soeben mitgeteilt hat, dass ab Mittwoch in der Karwoche weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens gelten: Autoverkehr nur nach Nummernschildern an je einem Tag, ab 17 Uhr kein Auto-Verkehr mehr, Einstellung des Nahverkehrs etc. pp. Er will die Welle, die jetzt die Vereinigten Staaten heimsucht, gleich im Keim abbremsen. Und das ist harsch, aber meines Erachtens unbedingt richtig.

Wir werden heute Abend noch einmal einen vollbeladenen Flieger nach Deutschland schicken, mit Einigen von Ihnen, einigen Europäern, und vielleicht 2, 3, die sich mutig einfach mal so auf den Weg zum Flughafen gemacht haben, als Nachrücker für Zuspätgekommene oder Ausgebliebene.

Gestern geschah so noch ein kleines Wunder: zwei Landsleute kamen, aufgrund eines Platten am Auto, buchstäblich in der letzten Minute noch herbeigehetzt; ich war schon leicht pampig eigentlich. Doch sie ließen sich überreden, doch Nachrücker vorzulassen, die schon mit Tränchen in den Augen daneben standen und sich Hoffnungen gemacht hatten. Die Beide erklärten sich bereit, selbst auf den Flug am Montag zu warten. Auf meine Bitte: Da benötigen wir dringend zwei Ärzte, um zwei Patientinnen zu begleiten, die während der Reise Spritzen benötigen. (Kein Corona, keine Sorge…). Woher nehmen und nicht stehlen? Meine Konsulin und ich hatten uns schon die Haare gerauft. Wir hätten die jungen Patientinnen sonst ja wochenlang nicht heimbekommen… Was nämlich waren die beiden netten Autopannen-Betroffenen Menschen? Notfallärzte. YEAH! Ein match made in heaven, sagen die europäischen Insulaner zu so etwas. Mein Jubelgeheul hat man bis an den Arenal gehört, glaube ich. Vielen Dank an die Beiden auf diesem Wege!

Noch etwas Schönes ist passiert, das Sie nur indirekt betrifft, dass ich aber doch sehr gerne mit Ihnen teile. Schade ist, dass wir keine Zeit zum Feiern haben, denn der Regierung von Costa Rica ist in eineinhalb-jähriger Kraftanstrengung, gemeinsam von Parlament und Regierung, über alle Parteigrenzen hinweg, gelungen, die Bedingungen für den Beitritt zur OECD, der wichtigen Welt-Wirtschaftsorganisation mit Sitz in Paris, zu schaffen. Das letzte, 22. Komitee hat gestern die Prüfung positiv abgeschlossen. Kompliment, Costa Rica, das ist eine Spitzenleistung! Jetzt können wir nur hoffen, dass dann Ende Mai die Aufnahme auch tatsächlich beschlossen wird und nicht wegen Corona vertagt. Halten Sie mit mir die Daumen bitte, denn wir – Deutschland – würden uns riesig freuen, einen so starken – kleinen aber sehr feinen – Partner mit an Bord zu haben, ein Land, auf das viele sehen, und an dem sich viele orientieren. Und auch der OECD täte es gut, außer Chile noch ein wichtiges weiteres lateinamerikanisches Land zu seinen Mitgliedern zählen zu können.

Letztlich, immer noch kein Aprilscherz:

Sie sind wieder da. SIE nicht, Sie sind ja eher immer noch da. Nein, die Seekühe! Eine bedrohte Tierart, ist gestern auch außerhalb ihrer Lebensgebiete an freien Teilen der Küste gesichtet worden, drei Meter große Tiere, die in der Renaissance in Kupferstichen als gigantische Meeresungeheuer festgehalten (und leider nachher allzu oft von den Kolonialisten erschlagen) wurden. Ein Naturschauspiel von großer Schönheit. Das schauen Sie sich dann an, wenn Sie beim nächsten Mal wieder hier sind. 

So, wir planen jetzt den – letzten – Rückholflug am Montagabend. Wer sich noch nicht eingetragen hat: es wird aller höchste Zeit. Wer sich nicht in die Liste einträgt oder nicht erreichbar ist, muss sich darauf einrichten, bis mindestens Mai hier zu bleiben. Mein ganzes Team lässt Sie herzlich grüßen und bittet inständig: halten Sie Ihr Handy in Reichweite. Übrigens erscheint nur deshalb eine Bonner Nummer, weil wir aus Verantwortung vor dem Steuerzahler eine billigere Standleitung nach Deutschland nutzen, um Sie auf Ihren deutschen Nummern anzurufen. Sonst wäre mein Botschaftsbudget im Mai erschöpft, und wir könnten schließen…J

Mit diesen Worten verabschiedet sich Ihr Landungeheuer, versehen immerhin mit den Segenswünschen der Reisenden von gestern Abend

Ihre
Martina Nibbeling-Wrießnig

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