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Landsleutebrief vom 31. März 2020

31.03.2020 - Artikel

Liebe Landsleute,

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag…“

Der evangelische Pastor Dietrich Bonhoeffer, den die Nazis als Staatsfeind hatten in einen Kerker werfen lassen, hatte das schon vor Jahrzehnten begriffen, und in Zeiten einer unvergleichlich größeren Not die Zuversicht in diese wunderbaren Worte gefasst. Sie gehören nach meinem Eindruck seither zum deutschen Kulturgut.

Heute sorgen wir uns nicht nur um unsere eigene Gesundheit, die unserer Familienangehörigen, Freunde und liebgewonnenen Nachbarn, Kollegen oder Reisegefährten, sondern die weltweiten Zahlen deuten auf neue Ausbruchsherde im südlichen Afrika, und im Norden dieses großen Kontinents hin. Wir sorgen uns darum, dass nicht alle die Bedrohung durch den so schlecht begreifbaren Virus rechtzeitig genug begriffen haben, und das nicht allen aus allen sozialen Gruppen Zugang zu einem funktionierenden Gesundheitssystem geboten ist. Dort, wo Gesundheitsversorgung nur etwas für Reiche ist, kann die Pandemie kaum gestoppt werden und dort wird sie unverhältnismäßige Opfer kosten.

Dieses späte Erkennen und zu späte Handeln kann man und muss man dort verzeihen, wo Länder, wie auch in Europa, völlig überrascht wurden, und dann leider als erste schmerzhafte Erfahrungen machen mussten, und heute herzzerreißende, tragische menschliche Verluste erleiden.

Sie machten Erfahrungen, von denen wir lernen konnten; die uns früh gewarnt sein ließen. Erfahrungen, die Wege wiesen, wie rigoros Maßnahmen sein müssen, und welche sich anbieten. Wir müssen, so pervers das klingt, dafür dankbar sein. Daher ist es auch zwingend, dass wir solidarisch sind, und nun Beatmungsbetten für Nachbarländer in einigen Bundesländern zur Verfügung stellen. Oder Mitfühlen und später helfen.

Diese Erfahrungen Anderer jedoch zu kennen und dennoch nicht zu handeln, wäre und ist verantwortungslos, und kann Hunderttausende (lassen Sie sich das einmal im Kopf herumgehen: Hunderttausende!) und mehr das Leben kosten.

Sorgen Sie sich nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Seien Sie mit mir dankbar dafür, dass wir in einem Staat leben und Sie und wir von der Botschaft hier in einem weilen, der die Krankenversicherungen und ein Gesundheitssystem für Alle bietet. Das ist tatsächlich eine großartige zivilisatorische Leistung.

Pflegen Sie die von Bonhoeffer bewiesene Zuversicht. Lassen Sie sich nicht hängen, das darf hier nur das Faultier! Helfen Sie allen Schutzengelgeschwadern, indem Sie weiter Menschengruppen meiden, in Zimmern bleiben, statt an den Strand oder in den Park zu gehen, sich die Hände ausführlich waschen, sich in den Ellenbogen husten, statt in die wilde Landschaft… Sie kennen das ja aus TV und Werbeblättern.  Prävention ist alles. Schließlich wollen wir weder angesteckt werden, noch selbst anstecken, nicht wahr?

Heute Abend geht der nächste Flieger nach Frankfurt, einige von Ihnen werde ich und wird das Botschaftsteam da sehen, und freuen uns darüber. Wir sind da, damit alles klappt mit Ihrer Ausreise, bei diesem Flug wie bei allen, die noch kommen.

So: Keep cool and carry on, liebe Landsleute! Was in etwa heißt, Nerven bewahren und ruhige Zuversicht. Fast Alles wird am Ende gut.

Einen herzlichen Gruß

Ihre 

Martina Nibbeling-Wrießnig

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