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Landsleutebrief vom 30. März 2020

30.03.2020 - Artikel

Liebe Landsleute,

am gestrigen Sonntag ging Flieger No.6 nach Hause!  Wieder 200 an Bord. Und ich hatte einen Tag frei, damit meine ramponierte Stimme wieder funktioniert! Das fand ich sehr nett von meinem Team, dass sie die Aufgabe alleine geschultert haben, um mich freizustellen, insbesondere vom stv. Leiter der Botschaft, der nun der „Frontmann“ am Schalter war. Dabei fand dieser Rückflug unter erschwerten Bedingungen statt: wir hatten Plätze auf einem Teilcharter; d.h. für einen  anderen Teil der Plätze, den kommerziellen Teil, hatten wir weder Zugriff noch Verantwortungsmöglichkeit. Uff, wenn dann die Luftlinie überbucht… muss man dann schon mal für die Rückzuholenden kämpfen. Und so geschah es! Er brachte alle an Bord.

Was einen rustikalen Schweizer Staatsbürger, dem der Rückflug nicht gelang,  aus verständlichem Frust dazu führte, uns mit dem schönen analen A-Wort zu bedenken: „Arrogante deutsche A….cher.“ – wieder etwas für die Diplomaten-Memoiren! Von wegen Sektschwenken und Smoking tragen (auch wenn das auch gelegentlich für bestimmte diplomatische Aufgaben auch dazugehört) – stattdessen wird man mit einer rückwärtigen Leibesöffnung bezeichnet, sehr schick. Mein Team hat es mit Fassung und Humor genommen. Wenn Sie ähnliches vorhaben, beschimpfen Sie bitte mich und nicht meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Danke!

Ein befreundeter europäischer Botschafter schrieb mir am Sonntag eine WhatsApp- Nachricht: „Darf ich bitte die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen? Meine eigenen Touristen sind so schwierig“ und die deutschen so professionell, organisiert und freundlich auch in der Krise, meinte er. Recht hat er! Den Staatsangehörigkeitsantrag musste ich trotzdem ablehnen, sonst müsste ich ja meine Stelle mit ihm künftig teilen, nicht? Ich gebe das Kompliment aber jedenfalls sehr gerne an Sie alle weiter, und schließe auch heute meinen Dank an Sie an!

Für alle, die sich noch nicht erneut in unsere Rückkehrer-Liste getragen haben, bitte ich darum, das möglichst schnell zu tun. Die Planungen gehen weiter!

Morgen und übermorgen gibt es zwei weitere Flüge, an denen wir jetzt mit Hochdruck arbeiten. Die Passagierlisten müssen ja aufgrund der Luftverkehrs-bestimmungen immer schon vorher eingereicht werden. Diesmal werden wir einen großen Hund im Frachtraum haben, aber der nimmt niemandem einen Platz weg und birgt auch keine Allergie-Gefahr. Wir haben zugesagt, denn Haustiere sind ja, wie die meisten von uns genau wissen, auch Familienangehörige. Das ist einer der wenigen Punkte, in denen ich dem großen Philosophen und Wegbereiter der Aufklärung  Immanuel Kant energisch widersprechen muss: jeder, der nur einen Goldfisch pflegt, weiß, dass Tiere Gefühle und natürlich eine Seele haben. Schade, dass die deutsche Aufklärung aber aufgrund seiner Leugnung dieses Umstands den betrüblichen Nebeneffekt hatte, dass das Seelenleben unserer meist vierbeinigen Mitkreaturen lange Zeit als irrational abgetan wurde… Aber jedenfalls: Waren die Reisenden froh, dass Bello, Hasso oder Caesar auch mit darf!

Parallel beginnen wir jetzt im EU-Kreis und im Kontakt mit der hiesigen Regierung nach Möglichkeiten zu sehen, was wir denn machen, wenn sich hier wohnhafte Deutsche oder solche, die beschlossen haben, hier zu bleiben, sich mit COVID anstecken sollten – was der Himmel verhüte, was aber passieren kann. Das wird dann unser nächstes großes Thema sein, wenn Sie einmal alle daheim sind. Brauchen wir Quarantäne-Unterkünfte für solche Fälle? Wie wollen wir uns organisieren? Die Regierung von Costa Rica hat ein Dekret erlassen, dass jedenfalls auch alle Touristen in den Hospitälern versorgt werden, als seien sie eigene Staatsangehörige.

Letztlich, für heute: ich stelle fest, dass Sie wirklich unsere Botschaften lesen, das freut mich. Denn jetzt ist die Zahl derjenigen, die unsere Anrufe nicht entgegennimmt, doch klar gesunken. Gut für Sie und gut für uns!

Prima!

Bleiben Sie gesund, und lassen Sie sich – auch nicht von wohlmeinenden Nachbarn, Familienangehörigen o.ä. – nicht kirre machen. Wir bringen Sie heim, so schnell es geht.

Ihre 

Martina Nibbeling-Wrießnig

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