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Landsleutebrief vom 27. März 2020

27.03.2020 - Artikel

Liebe Landsleute, 

wir kommen gerade – zunehmend so langsam auf allen Vieren – vom Flughafen zurück. Aber, welche Freude: wieder deutsche Landsleute auf dem Heimweg! Eine Maschine startete gestern Abend, eine weitere heute Morgen. Mit einem Drama natürlich: eine Reisegruppe war hängengeblieben und nicht auf der Liste, und ich habe sie alle nach Hause geschickt und, so gut es ging, vertröstet. Sogar eine, die Angehörige von Risikogruppen zählte – uuuufff. Latein-studierte Juristen sagen: ultra posse nemo obligatur – man kann niemanden dafür beschimpfen, dass er etwas nicht tut, wozu ihm die Möglichkeiten gerade fehlen. Tja, hätte lieber geholfen.

Und dann kam doch tatsächlich eine andere Gruppe älterer europäischer Nachbarn gar nicht! Sie hatten sich über die Rückflug-Gelegenheit riesig  gefreut, um dann zu erfahren, dass es jetzt leider keine Verbindung mehr von Frankfurt zu ihnen nach Hause in den Süden gab. Vor lauter Trauer hatten sie abzusagen vergessen. Das kann man verstehen, auch wenn uns das das Leben nicht leichter macht, wenn wir es nun auf Nachfrage bei der betreffenden Botschaft 50 Minuten vor Gate-Schließung erfahren.

Aber, jetzt halten Sie sich fest: die Zahl der Ausfälle deckte sich genau mit der Zahl der vor zwei Stunden frustriert nach Hause ins Hotel Gesandten! Heureka – es war eine Dreiviertelstunde vor Ende. Ein Anruf, und elf Menschen machten sich blitzschnell auf den Weg und schafften es gerade noch, zu packen und herbeizueilen. Und schimpften nicht, sondern lachten nur. Nur, nächstes Drama: dass dann die Mannschaft noch zwei Plätze benötigte, sodass zwei wieder ins Hotel zurückwandern mussten… So eine Frustration. Und was sagten die beiden (nach anfänglichem Schock):

„Können wir Ihnen während unserer Wartezeit vielleicht mit etwas helfen?“

Sie meinten richtige, tatkräftige Hilfe, aber dazu gelten bei unserer diplomatischen Arbeit Sonderbedingungen, die sich nicht einfach so überwinden lassen. Moralisch aufgebaut hat mich dieses Verhalten aber doch. Und damit hatten sie schon geholfen! Und dann halfen sie auch ungefragt noch ganz konkret – mit einem Halsbonbon und einer Atemmaske! Ich bin so stolz auf meine Landsleute. Es macht schon die Runde in der ganzen EU. Danke, dass Sie so sind, wie Sie sind!

Gestern haben wir ein kleines Team von deutschen Spitzenarchäologen sogar aus Honduras evakuieren können, von wo sonst gar keine Flüge gehen. Sie waren am Ende ihrer diesmaligen Grabungsarbeiten gewesen und hätten sonst wohl noch gefühlt endlos weitergraben müssen. Das aber sollen sie dann lieber mal hier in Costa Rica noch tun, im nächsten Jahr, finden Sie nicht? Hier gibt es, wie Sie als Urlauber sicher schon erkannt haben, noch manche Schätze zu heben!

Heute früh fand dann zwischendurch noch ein Interview mit dem Canal 7 des costa-ricanischen Fernsehens statt. Sie wollten wissen, wieso eigentlich Deutschland bei hoher Befallszahl so viel weniger Todesopfer zu beklagen hat als andere Länder, nämlich nur 0,2 %. Das ist sicher irgendwie der Ausstattung mit Geräten geschuldet, vor allem aber der hochgradig professionellen Kranken- und Altenpflege und dem Umstand, dass wir früh damit begonnen haben, die Pandemie ernst zu nehmen. Ich nutze diese Gelegenheit, um einmal meinen Hut für unsere Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, Schwestern, Altenpfleger, Ärztinnen und Ärzten zu ziehen und auch den Feuerwehrleuten, die jetzt alte Menschen mit Essen versorgen in Deutschland. Einer kann auf den andere zählen.

Übrigens hat der Präsident Costa Ricas mich, am Tag 1 der Krise hier, schon einmal nach den best practices, der besten Ideen und Beispielsmaßnahmen, die funktioniert haben, aus Deutschland befragt. Habe ich das schon erzählt? Wir haben daraufhin vom Robert-Koch-Institut die Genehmigung bekommen, diese Beispiele und  Maßnahmen von ihrer vorzüglichen Webseite übernehmen zu dürfen und ins Spanische zu bringen. Und die Regierung Costa Ricas hat sich daran durchaus orientiert, wie mir scheint.

Falls Sie dann noch hier sind: der Beitrag soll am Montagabend um 20 Uhr im Canal 7 laufen. Er wurde am Flughafen gedreht, vielleicht sehen Sie ja Bekannte durch den Hintergrund huschen.

Das letzte Gute habe ich mir für das Ende aufgehoben: Staatsminister Niels Annen vom Auswärtigen Amt hat heute Morgen mit dem Außenminister Costa Ricas gesprochen, und sich unter anderem dafür bedankt, dass die Regierung durch Sonderlandegenehmigungen jetzt Ihre Rückholung  möglich macht. Und die geht, anders als einige uninformierte Quellen berichten, natürlich weiter. Nächste Woche mit mehreren Fliegern und mit einem jetzt am Sonntag. Und mit einem von denen fliegen Sie dann mit, versprochen.

Übrigens wurde die Ausgangssperre für den Autoverkehr verlängert, sie gilt bald ab 22 Uhr (am Wochenende schon ab 20 Uhr) und bis 5 Uhr morgens.

Ich wünsche ein geruhsames Wochenende für Sie. Wenn Sie alles nervt: schauen Sie auf den blauen Himmel, hören Sie morgens um 5 Uhr dem Vogelzwitschern zu oder abends, kurz vor dem Dunkelwerden dem Kreischen der Papageien, auf dem Weg in ihre Schlafbäume.

Und freuen wir uns gemeinsam, dass wir alle, so wie es aussieht, noch bretzelgesund sind

Ihre

Martina Nibbeling-Wrießnig

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